Der Pate von Bombay („Sacred Games“) – Eine der besten Netflix Serien: Exzellentes Gangster Epos & Police Procedural. Made in India. Ein Quick’n Dirty Review (German)

 

 

Der Pate von Bombay („Sacred Games“), Staffel 1

Showrunner: Vikramaditya Motwane

Regie: Vikramaditya Motwane, Anurag Kashyap

Drehbücher: Varun Grover, Smita Singh, Vasant Nath

(basierend auf dem gleichnamigen Roman von Vikram Chandra)

Schauspieler: Saif Ali Khan, Nawazuddin Siddiqui, Radhika Apte, Kubra Sait u.a.

Genre: Gangsterfilm, Police Procedural

Produktion: Phantom Films für Netflix

Format: 8 Folgen mit 50 – 52 Minuten Laufzeit, FSK 16

Staffel 1 seit Juli 2018 im Netflix Streaming Programm

 

Mein Score: 5,0 / 5,0

 

Diese Serie ist mit einer der besten, die ich seit einiger Zeit gesehen habe. Man wird hineingezogen in die exotische Welt Indiens mit ihrer Lebensart und Kultur, der allgegenwärtigen Korruption, den Farben, Religionen, Riten und Gebräuchen. Und in die Nachtseiten von Mumbai: In Mord & Gewalt, Komplotte & Terror. Sacred Games ist ein Mix aus Drama, Gangsterepos und realistischer Cop story. Drehbuch, Inszenierung und Schauspieler überzeugen in jeder Hinsicht. Nach nur einer Staffel (von voraussichtlich vier) ist eine Gesamtbewertung noch verfrüht, aber: Wann die restlichen Staffeln das Niveau halten können, wird Sacred Games verglichen werden können mit anderen herausragenden Serien wie Breaking Bad oder The Wire.

Einziger, für viele vielleicht schwerwiegender Nachteil der Netflix Produktion: Bisher gibt es Sacred Games neben der Originalversion in Hindi zwar auch in englischer Synchronisation, in Deutsch aber nur mit Untertiteln.

Bei dieser Serie handelt es sich um den ersten Teil der Verfilmung des gleichnamigen Romans des indisch-amerikanischen Autors Vikram Chandra (geboren 1961). Die erste Staffel der Netflix Serie – übrigens der ersten indischen Produktion des US Streaming Anbieters – umfasst ungefähr das erste Viertel des ca. 950 Seiten langen Romans.

 

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Saif Ali Khan als Sataj Singh (Quelle: Netflix)

 

Mumbai: Sataj Singh (gespielt von Saif Ali Khan) ist ganz klassisch sozusagen der einzige ehrliche Cop in einem von undurchdringlicher Korruption beherrschten Polizeiapparat in der indischen Megamotropole Mumbai. Als solcher hat er natürlich ständig Ärger mit seinem Vorgesetzten, der ihn gar vom Dienst suspendiert, als sich Sataj weigert, seinen Vorgesetzten mit einer Falschaussage zu decken, als dieser während eines Einsatzes einen unbewaffneten Ganoven erschießt.

Eines Tages erhält Singh einen mysteriösen Telefonanruf des Gangsterbosses Ganesh Gaitonde (Nawazudin Siddiqui). Dieser, auf den sich der deutsche Titel der Serie Der Pate von Bombay bezieht, war früher (auch in der Zeit als Mumbai noch Bombay hieß) der unumstrittene Herrscher über die Unterwelt von Bombay / Mumbai, bevor er vor einigen Jahren untertauchte und seitdem gesucht wird.

Laut Gaitonde wird in genau 25 Tagen ein verheerender Anschlag auf Mumbai erfolgen, den nur er, Singh, verhindern könne. Die erforderlichen Hinweise erhalte er, wenn er ihm und seiner Geschichte – in der auch Sataj Singhs verstorbener Vater (ebenfalls ein Cop) eine große Rolle spiele – zuhören würde.

Nun ist Sataj Singh nicht nur eine ehrlicher, sondern eben auch ein sehr guter Polizist. Ihm gelingt es während des Telefonats, den Aufenthaltsort des Anrufers zu lokalisieren, und er macht sich auf den Weg. Bei seiner Ankunft an Ort und Stelle in einer großen Lagerhalle findet er neben der Leiche  einer ermordeten jungen Frau den Gangsterboss, der sich jedoch erschießt.

Das ist im Grunde die Ausgangssituation. Hieraus entwickelt sich eine Geschichte, die im weiteren Verlauf aus zwei Blickwinkeln erzählt wird: Zum einen die Ermittlungen Singhs in Bezug auf den geplanten Anschlag. Hierbei schaltet sich auch der indische Geheimdienst RAW („Research and Analysis Wing“) ein, der das Gespräch von Singh mit Gatonde abgehört hatte.  Singh arbeitet bei seinen Ermittlungen teilweise mit der RAW Agentin Anjali Mathur (Radikha Apte) zusammen, wobei diese Zusammenarbeit alles andere als konfliktlos verläuft.  Ihnen gegenüber stehen rivalisierende Gangsterorganisationen, die korrupte Polizei und der zwielichtige Innenminister (dem die Polizei untergeordnet ist). Handelt es sich bei den Hintermännern des geplanten Anschlags um islamische Terroristen? Oder steckt Indiens großer nationaler Gegner Pakistan dahinter? Auf jeden Fall spüren Singh und Apte sehr schnell, dass die Gegenseite vor nichts zurückschreckt, um zu verhindern, dass man ihr auf die Schliche kommt.

 

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Nawazuddin Siddiqui als Gaitonde (Quelle: Netflix)

 

Zum anderen erzählen Flashbacks aus der Sicht des Gangsters Gaitonde dessen Entwicklung vom einfachen Straßenganoven bis hin zum allmächtigen Gangsterboss. Diese Flashbacks sind – neben aufschlussreichen Erkenntnissen für die Handlung der Gegenwartsebene – ein hinreißender Streifzug durch die wechselvolle Geschichte Indiens während der letzten – sagen wir – vierzig Jahre. Politische Ereignisse wie Wahlen, Attentate etc. spielen eine große Rolle; mehr nach allerdings der Kampf der hinduistischen Religion mit dem Islam…

 

Was hat mir nun gut gefallen an „Sacred Games“:

(+) Story / Drehbuch: Ausgezeichnetes, spannendes und episches Gangsterdrama kombiniert mit realistischer Cop-Story. Obwohl die Geschichte recht breit angelegt ist, stimmt das Pacing: An keiner Stelle taucht Langeweile auf. Durch die Komplexität der Erzählung gelingen gute Charakterstudien bei allen handelnden Personen, sei es auf Seiten der Polizei, des Geheimdienstes, der Politik, der Gangsterorganisationen sowie des familiären und sozialen Umfelds der Protagonisten.

(+) Inszenierung: Atmosphärisch dicht und düster mit überwiegend nächtlichen Szenen, vor Ort gedreht in Mumbai. Die hervorragende Kameraführung und Regie erzeugen eine große und farbige (eben typisch indische) Authentizität, wobei der Ort der Handlung, Mumbai eher wie ein eigenständiger Charakter wirkt als eine Hintergrundkulisse.

(+) Hervorragende schauspielerische Leistungen bis in die Nebenrollen. Herausragend waren für mich neben Nawazuddin Siddiquin als Gaitonde und Saif Ali Khan als Singh insbesondere Radhika Apte als Geheimdienstagentin Anjali Mathur sowie Kubra Sait als Kuku, Gaitondes transsexuelle Freundin.

(+) Musik: Ein gelungener Mix aus traditioneller indischer und moderner westlicher Musik mit guter, an der Dramaturgie orientierter Dosierung. Mir hat auch gut gefallen, dass bei vielen Szenen auf eine Musikunterlegung gänzlich verzichtet wird.

 

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Radhika Apte als RAW Agentin Anjali Mathur (Quelle: Netflix)

 

Was hat mir nicht so gefallen?

(-) Die erste Staffel der Serie umfasst ungefähr das erste Viertel des Originalromans, so dass die Handlung am Ende ziemlich unvermittelt abbricht. Zwar rechne ich angesichts der sehr guten internationalen Kritiken mit einer Fortführung, vermutlich durch drei weitere Staffeln. Dennoch ist die Wartezeit angesichts der komplexen Handlung mit vielen Charakteren etc. – na ja – etwas unbefriedigend. Das ist für mich in etwa so als lege man ein Buch mit tausend Seiten nach etwa 250 gelesenen für ein Jahr bei Seite. Bleibt zu hoffen, dass im Vorfeld der zweiten Staffel eine gut erstellte Zusammenfassung der ersten produziert wird.

(-) Fehlende deutschsprachige Synchronisation (Stand: September 2018). Mit „Sacred Games“ zielt Netflix in erster Linie auf den indischen Markt und hat die Serie bisher neben dem Original in Hindi lediglich mit einer englischen, spanischen und türkischen Tonspur versehen. Deutsch gibt’s bisher nur in Form von Untertiteln.

 

(Hamburg im September 2018)

 

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