Dialog mit Vodafone oder „Da Verreckst“ – Eine Satire

Die Mitarbeiter des Beschwerdemanagements haben in der heutigen Welt unter der Diktatur der Verbraucherschutz-Zentralen eine herausfordernde Aufgabe. Der Umgang mit Spontancholerikern, Gelegenheitsnörglern, Berufsquerulanten und chronischen Depressionsverbreitern (engl. „chronic depression propagators“ oder „CDP“) ist ihr tägliches Brot. Sie haben die betriebsnotwendige Aufgabe, die Kunden ungeachtet des Sachverhalts darüber aufzuklären, daß ihre Auffassung, wonach der Kunde König sei, eine ausgesprochen irrige ist. Ja die irrigste Auffassung überhaupt seit Erfindung der Marktwirtschaft.

 

Unsere Mitarbeiter werden fortlaufend geschult und verfügen über ein umfangreiches Repertoire, um den zunächst für uns ungünstigen Sachverhalt durch selektive Kommunikation gezielt zu ignorieren und den Kunden auf der Beziehiehungsebene geschickt mit den durchaus engen Grenzen seiner psycho-neurologischen Belastbarkeit zu konfrontieren. 

 

Als Beispiel möchten wir Ihnen das Gesprächsprotokoll eines unserer Mitarbeiter präsentieren. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die geschickte Problemignoranz und genießen Sie die Eleganz, mit der der Kunde – salopp gesagt – in den Wahnsinn getrieben wird.

 

 

(Rufton). Mitarbeiter Vodafone Call Center („VCC“):

Vodafone-Beschwerde-Management-Sie-sprechen-mit-August-Maria-Klook-Eimermacher-Ihren-Namen-bitte.

Ich: Was machen Sie? Eimer?

VCC: Klook-Eimermacher. Mein Name.

Ich: Mein Name ist Billstein, Kundennummer 6K832894.

VCC: Geburtsdatum?

Ich: Zweiter Februar 1964.

VCC: Geburtsort?

Ich: Leverkusen

VCC: Was kann ich für Sie tun?

Ich: Ich möchte mich beschweren. Die Installation meines Festnetzes hat 49 Euro gekostet. Der Kollege von Ihnen, der mir diesen Vertrag verkauft hat, hat diese Zusatzgebühr aber mit keinem Wort erwähnt. Und mit diesen zusätzlichen 49 Euro ist das Vodafone Angebot längst nicht mehr „Mega – Affen – Geil“, wie Ihr Kollege sich ausdrückte.

VCC: In welchem Vodafone Shop haben Sie den Vertrag denn abgschlossen?

Ich: Na in dem in Straubing, in der Rosengasse.

VCC: Einen Moment –

(Klappern auf Tastatur. Hintergrund Goßraumbüro-Geräusche.)

VCC: Herr Billstein, sind Sie noch dran?

Ich: Na ja, die Hoffnung muß ich Ihnen nehmen: Ich bin noch dran.

VCC: Das ist schön. In Straubing, Rosengasse, gibt es die Vodafone Franz Mayer OHG. Dies ist ein Lizenznehmer von uns, aber nicht Vodafone direkt. Bei Beschwerden müssen Sie sich daher bei diesem Unternehmen – Ehm Moment mal…

Ich: Ja?

(Pause. Großraumbüro-Geräusche)

VCC: In Straubing – ist das nicht der Mayer Franzl? Ich bin da nämlich aufgewachsen…

Ich: Ja?

VCC: Na des gibts doch nicht. Der Mayer Franzl…

Ich: Könnte ich bitte noch einmal auf meine Beschwerde zurückkommen?

VCC: Der Mayer Franzl, also mit dem bin ich z’sammen auf der Schul gewesen.

Ich: Das ist schön. Um aber noch einmal auf mein Problem zu kommen…

VCC: Na sagen Sie, hat der nicht diese Würstelbude in der Rosengasse gehabt?

Ich: Das weiß ich nicht, und ganz ehrlich: Es interessiert mich auch nicht.

VCC: Der Mayer Franzl… Der hat doch früher kaum einmal ein Würstel verkauft gekriegt.

Ich: Mag ja sein, aber…

VCC: Und jetzt, sagen Sie, verkauft der Vodafone Verträge? Da schau her (Kichert).

Ich: Also, ich muß sagen, mir reicht es jetzt.

VCC: Aber wissen Sie was…?

Ich: Nein.

VCC: Also, dem Mayer Franzl seine Würstel…

Ich (gereizt): Was interessieren mich dem Mayer Franzel seine Würstel?

VCC: Also, dem Franzl seine Würstel waren immer ausgesprochen fad.

Ich: Mir reicht es jetzt.

VCC: Also da ist des kein Wunder.

Ich: Daß ich am Ende meiner Geduld bin? Da haben Sie Recht!

VCC: Daß der Franzl auf seinen Würsteln sitzengeblieben ist.

Ich: Das ist eine Unverschämtheit.

VCC: Na ja, Unverschämtheit würd ich jetzt nicht sagen. Aber fad ist fad.

Ich: Ich werde mich über Sie beschweren.

VCC: Eben fad. Wie… laff. Ohne Pepp.

Ich: Wie war doch noch Ihr Name?

VCC: Und dann müssen Sie folgendes wissen.

Ich: Kommen Sie jetzt endlich zur Sache?

VCC: Also, der Mayer Franzl… also der ist ja nicht gerade – Wie soll ichs sagen – … der geborene Verkäufer. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

Ich (brüllend): Ich verstehe nur, daß Sie mich verarschen wollen.

VCC: Also, der Franzl in seiner Würstelbude, der hat seine Kunden immer nur so trübe angestiert.

Ich: Ich werde das Gespräch jetzt beenden. Ihren Namen, bitte.

VCC: Und wenn ein Kunde nach etwas mehr Würze für die Würstel gefragt hat…

Ich (brüllend): Ihren! Namen!

VCC: … Dann hat er ihn nur blöde angeglotzt. Aber daß er ausgerechnet Ihnen… (Tastatur Klappern)

Ich: (Pause, nach Worten ringend)

VCC: WOW – den Vodafone Phone & Surf Mega-Max verkauft hat also unsere S-Klasse sozusagen.

Ich: (Klick. Eingehängt)

VCC: Ja, da verreckst. (Kichert, dann professionell ernst)… Beschwerdeprotokol V&S Mega-Max, Kundennummer 6K832894. Kund wurde über den irrigen Beschwerdegrund aufgeklärt.

(Pause)

Kunde zeigte sich zufrieden über unsere Aufklärung und wird uns weiterempfehlen.

(Pause)

Da verreckst.

 

E N D E

 

 

Legal Disclaimer

DIES IST SATIRE. ALLES DAS GIBT ES GAR NICHT IN REAL. DAMIT IST NICHT DIE EINZELHANDELSKETTE GEMEINT. ALLES ERLOGEN UND ERSTUNKEN.

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