My Comic Picks 2015. Eine Quick ’n Dirty Liste. Teil 1 (German)

Das ist ein kurzer Überblick (Teil 1 von 2) über die besten Comics, die ich im Jahr 2015 gelesen habe. Hierbei handelt es sich nicht um Sachen die 2015 original erschienen sind, denn ich lese in der Regel Collections oder Omnibus-Ausgaben von Werken, deren Originalveröffentlichung teilweise Jahre (um nicht zu sagen: Jahrzehnte) zurückliegen.

Für mich sind das aber „Comics für die  Insel“ – wobei das natürlich an den Gepäckbeschränkungen auf Flug oder Schiffsreisen letztlich scheitern würde.

Mit einer Ausnahme handelt es sich übrigens um US Comics. Dies liegt nicht etwa daran, daß ich diese den Europäern (oder Japanern oder sonstigen) generell bevorzuge. Aber: Europäische Comics sind teilweise erheblich teurer als von der Qualität vergleichbare US Comics (in englischer Sprache). Und das liegt natürlich an den Economics of Scale: Der US Markt ist eben erheblich größer als die einzelnen Europäischen Märkte mit der Folge größerer Auflagen, geringerer Stückkosten etc.

Aber genug des Tralala – los gehts. In alphabetischer Reihenfolge findet Ihr kurze Besprechungen von

Alias von Brian Mchael Bendis und Michael Gaydos

Animal Man von Grant Morrison und Chaz Troug

Daredevil: End Of Days von Brian Michael Bendis, David Mack, Klaus Janson und Bill Sienkiewicz

Doom Patrol von Grant Morrison und Richard Case

Fury: My War Gone By von Garth Ennis und Goran Parlov

Gotham Central von Ed Brubaker, Greg Rucka und Michael Lark

 

 

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Alias Omnibus

Autor: Brian Michael Bendis

Graphik: Michael Gaydos

Original als Heftserie erschienen: 2001 – 2005 bei Marvel

720 Seiten


 

 

Mit dieser Marvel MAX Serie habe ich mich auf diesem Blog im November 2015 eingehend beschäftigt. Die zwischenzeitlich bei Netflix gestreamte TV – Adaption „Jessica Jones“ wird der Vorlage gerecht und finde ich absolut sehenswert.

 

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The Animal Man Omnibus

Autor: Grant Morrison

Graphik: Chaz Truog

Original als Heftserie erschienen 1988 – 1990 bei DC / Vertigo

712 Seiten


 

 

Buddy Baker alias The Animal Man ist ein Superheld. Der die Kräfte von in seiner Umgebung befindlichen Tieren nutzen kan. Also: Wo es Vögel gibt, kann er fliegen. Wo es Fische gibt, kann er unter Wasser atmen und besonders schnell schwimmen. Im Dschungel ist er unbändig stark wie ein Löwe, Gorilla oder sonst was. Buddy ist ein Tierfreund und setzt seine Kräfte ein für Tierschutz und gegen die pharmazeutische Industrie. Und natürlich – als Mitglied der Justice League – gegen alles, was Superschurkenmässig so unterwegs ist.

Der Schotte Grant Morrison (geboren 1960 in Glasgow) ist heutzutage ein Superstar in der Comic Szene. Seine Markenzeichen sind der Bruch mit konventionellen Erzählpraktiken durch z.B. die nicht-lineare Erzählung komplexer Geschichten. Er ist nach meiner Einschätzung ein Genie – und ein Schaumschläger zugleich. Manchmal habe ich den Eindruck, will er die Leser in erster Linie verwirren – auch wenn die Story eigentlich sooo schwierig gar nicht ist.

Das, was ich gerade über Morrison gesagt habe, gilt für Animal Man eher weniger. Es ist ein frühes Werk des Schotten (ich glaube dies war seine erste US Comic Serie), und hier handelt es sich um eine ausgesprochen gradlinige, kurzweilige und eher episodenhafte Super Hero Geschichte mit Feel-Good Charakter.

OK, gegen Ende bricht er erzähltechnisch die „Vierte Wand“ und nimmt als Autor aktiv im Geschehen um Buddy Baker teil. Das führt natürlich zum Streit. Zwischen Autor und Hauptperson. Darüber wer denn nun letztendlich bestimmen kann, was Buddy tun und lassen kann. Und wie eine Geschichte auszugehen hat. Amüsant.

 

 

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Daredevil: „The End of Days“

Autoren: Brian Michael Bendis & David Mack

Graphik: Klaus Janson (Pencils) & Bill Sienkiewicz (Inks und Malkunst)

Original als Miniserie erschienen 2012 – 2013 bei Marvel

216 Seiten


 

 

Bei jedem, sollte man meinen, kommen einmal die letzten Tage. Nur Superhelden scheinen ewig zu leben. Wenn es dann doch aber mal passiert, so ist das natürlich ein Riesenereignis.

In einem finalen Kampf wird Daredevil von seienem Erzfeind Bullseye mitten in New York City getötet. Vor den Augen vieler Kameras und Schaulustiger. Sein letztes Wort, geflüstert, jedoch von vielen gehört, ist „Malpone“. Was hat er damit gemeint? Fragt sich bei aller Trauer auch Daredevils langjähriger Freund, der Zeitungsreporter Ben Urich. Und macht sich auf die Rescherche. Auf eine Reise in Daredevil’s (alias Matt Murdoch’s) Vergangenheit.

Der Kingpin (alias Wilson Fisk), der Punisher, Peter Parker (alias Spiderman), Nick Fury der Leiter der Geheimdienstorganisation S.H.I.E.L.D. , Leland Owlsley (alias The Owl), Zebediah Killgrave (alias Purple Man) und wieder Bullsey. Sie alle werden von Urich befragt.

Und natürlich die Frauen, die in Matt Murdochs Leben zeitweise sehr intensive Rollen hatten. Karen Page ist zu diesem Zeitpunkt schon lange tot, aber Urich sucht Elektra Natchios (seine erste Freundin),  Mary Walker-Stamos (alias Typhoid Mary) und Natasha Romanov (alias The Black Widow) und noch einige andere auf.

Sie alle erzählen über bestimmte Episoden aus dem Leben Murdochs / Daredevils. Was sich anhört wie eine Who-is-who Übung, zeigt: „The End of Days“ ist der Epilog einer seit 1964 bestehenden Comic Serie. Fiktiv natürlich und außerhalb der nach wie vor laufenden Daredevil Serie als achtteilige Miniserie 2013 bis 2014 veröffentlicht.

Es ist von der narrativen Struktur her ein „Citizen Kane“ des US Superhelden Genres. Das Team aus Autoren und Künstlern besteht aus den Schöpfern der besten Daredevil Geschichen des letzten Jahrzehnts. Brian Michael Bendis und David Mack zeigen alles was sie können: Eine interessant konstruierte Story mit überraschendem Ausgang. Messerscharfe Dialoge (wie nur Bendis sie schreiben kann). Die düstere Crime Noir Großstadt – Atmosphäre. Und die finale Dekonstruktion eines Superhelden.

Und die Artwork ist wirklich atemberaubend. Was Klaus Janson (der bereits bei der Graphik des legendären Daredevil Run von Frank Miller in den 1980er Jahren mitwirkte) und Bill Sienkiewicz kreieren, ist von den Zeichnungen über die Schattierung / Schraffierungen bis hin zu den von Sienkiwitz mit Öl- oder Aquarellfarben (oder was auch immer) versehenen Panels und Seiten schlicht ein Comic – Kunstwerk.

 

 

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The Doom Patrol Omnibus

Autor: Grant Morrison

Graphik: Richard Case (u.a.)

Original veröffentlicht als Doom Patrol #19 – #63 von 1989 bis 1993 bei DC

1.200 Seiten


 

 

Ich glaube, wenn ich mich festlegen müsste, dann wäre Grant Morrisons Doom Patrol Run der beste Comic, den ich letztes Jahr gelesen habe.

Die Doom Patrol besteht aus ein paar Typen, die infolge von Unfällen oder anderen Mißgeschicken körperlich derart verunstaltet wurden, das sie von der Allgemeinheit als Freaks verabscheut werden. Im Gegenzu haben sie aber verschiedene übersinnliche Fähigkeiten erlangt, die sie unter der Führung des querschnittgelähmten Dr. Niles Calder als Superheldenteam einsetzen.

Einer dieser Helden – Robotman – war ein früherer Rennfahrer, von dem nach einem Crash nur das Gehirn als lebensfähig übrigbleibt. Welches in einen Metallkörper eingesetzt wird.

Crazy Jane ist eine Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung. Sie hat 64 (!) verschiedene Persönlichkeiten mit jeweil unterschiedlichen Superkräften; diese sind in ihrem Gehirn nach Jane’s Aussage organisiert vergleichbar mit einem U-Bahnnetz, wobei die Bahnhöfe die jeweiligen Persönlichkeiten darstellen.

Danny the Street ist eine lebende Straße. Er verfügt (u.a.) über die Fähigkeit der Teleportation, daß heißt er kann sich von Stadt zu Stadt bewegen. Da er ein außergewöhnlich sensibles, hilfsbereites und gutmütiges Wesen hat, machen Straßen aller Städte gerne Platz für ihn. Danny teleportiert vor allem Nachts, wenn die meisten Menschen schlafen. Diese merken zumeist nichts weiter, wenn sie am Morgen dann auf dem Weg zur Arbeit durch eine ihnen bisher unbekannte Straße laufen.

Die Feinde der Doom Patrol sind mindestens ebenso bizarr: Da gibt es die Brotherhood of Dada, sozusagen anarchistische Superschurken, die durch die verrücktesten Anschläge versuchen, Venunft und Realität zu zerstören. Unter ihnen befindet sich The Quiz, ein Typ der buchstäblich über „jede Superkraft, an die man nicht gedacht hat„, verfügt.

Ich könte jetzt noch lange weitermachen und z.B. über eine Enzyklopädie erzählen, deren Einträge unsere Welt eben nicht einfach beschreibt, sondern deren Einträge unsere Welt nachhaltig – sozusagen schöpferisch – verändert. Oder über „Das Gemälde, das Paris verspeiste.

Aber lassen wir das mal.

Grant Morrisons Doom Patrol ist eine großartige Tour de Force durch den Surrealismus, Dadaismus und was sonst noch. Er ließ sich deutlich inspirieren von den Werken Jose Luis Borges, der literarischen Montage Technik von William S. Burrows und der britischen New Wave der Science Fiction aus den 1960er Jahren.

Wie dem auch sei: Bei all diesen für das Medium des Comics innovativen Dingen sind die Geschichten hier für den Leser nachvollziehbar erzählt, die Ideen brilliant, und  das ganze macht einfach Riesenspaß.

 

 

Fury Max

Fury: My War Gone By

Autor: Garth Ennis

Graphik: Goran Parlov

Original als Miniserie erschienen 2012 bei Marvel (unter dem Label Marvel MAX)

312 Seiten


 

My name is Nick Fury. I’ve had a bullet in my head since nineteen forty-four.

I can’t seem to die, don’t even age much. I fight and fuck like a goddamn Demon. I lick up war like it was sugar.

These are the things I’ve done for my country…

 

Colonel Nick Fury sitzt auf einem Sessel in einem lausigen Hotelzimmer. In einer lausigen Stadt, irgendwo in Asien. In der einen Hand das Glas Whiskey, in der anderen das Microphon eines uralten Tonbandgerätes. Auf dem Bett liegen vier schlafende Prostituierte, die er offenbar im Laufe des Abends per Room Service geordert hat. Er diktiert seine Memoiren, die Erinnerungen an ’seine‘ Kriege.

Fury ist süchtig nach dem Krieg. Weil er nichts anderes gelernt hat. Seit Jahrzehnten hat er die Drecksarbeit für den CIA auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt des zwanzigsten Jahrhunderts erledigt. Indochina Krieg in den 1950ern, Kubakrise 1961, Vietnam Ende der 1960er und Nicaragua in 1990ern. Dieser Comic ist die Lebensbeichte eines Zynikers, ein Kriegsbericht und gleichzeitig ein Geschichtsbuch über die Schattenseite von vierzig Jahren US Außenpolitik. Über politische Korruption. Über die Kooperation des CIA mit internationalen Drogenkartellen zur Finanzierung von amtikommunistischen Söldnerarmeen außerhalb jeder parlamentarischen Kontrolle. Und all das ist leider weder erfunden noch übertrieben, wie man auf Wikipedia nachlesen kann.

Garth Ennis (geb. 1970 in Holywood, Nordirland) ist am bekanntesten für die mehrfach ausgezeichnete Serie The Preacher sowie seine Beiträge für The Punisher und John Constantine – Hellblazer. Auch in Fury: My War Gone By besticht er durch seine gradlinige und realistische Erzählweise, die nicht vor der kompromisslosen Darstellung der Brutalität des Krieges zurückscheut.

Dem Zeichner Goran Parlov (geb. 1967 in Kroatien) und seiner ausgezeichneten lockeren Strichführung ist es zu verdanken, daß man sich angesichts der Gewaltdarstellungen nicht spontan übergeben muß. Der Comic erschien übrigens unter dem MAX Label des Marvel Verlags, ein Label, das sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richtete – mit Warnhinweis für Eltern.

Fury: My War Gone By war für mich das historisch-politisch relevanteste Comic Lese-Erlebnis des Jahres.

Nebenbei: Die in diesem Comic Roman geschilderte Figur des Nick Fury hat (außer einigen biographischen Details) wenig gemein mit der von Samuel L. Jackson gespielten Figur aus dem Marvel Cinematic Universe (z.B. in Marvel’s The Avengers)

 

 

GothamCentral

Gotham Central

Autoren: Ed Brubaker und Greg Rucka

Graphik: Michael Lark (u.a.)

Original als Serie in 40 Ausgaben erschienen 2002 bis 2006 bei DC

960 Seiten


 

Gotham City. Die Stadt des Batman. Und des Gotham Central Police Department (GCPD). Diese herausragende Comicserie handelt weniger von den kostümierten Superhelden und -schurken als vielmehr von den Geschichten der Polizisten des GCPD.

Ed Brubaker und Greg Rucka legen ein ausgesprochen düsteres Police Procedural vor, das mehr an Ed McBains klassische Serie um das 87. Polizeirevier und – was die Noir-Atmosphäre angeht – an Dashiell Hammett erinnert als an die üblichen bunten Allerweltscomics des Superhelden Genres. Batman tritt hier als Nebenfigur auf, der hin und wieder vorbeischwebt und mehr oder weniger hilfreiche Hinweise gibt und gelegentlich der – sagen wir – Mann fürs Grobe ist. Der Ruhm, wenn’s klappt, geht an ihn. Die Schande, wenn’s schiefläuft, geht an die Deppen vom GCPD.

Es versteht sich daher, dass die Leute von Gotham Central den Batman nicht besonders mögen. Aber man braucht sich eben, gegenseitig.

Korrupte Cops, organisiertes Verbrechen und natürlich auch einige durchgeknallte Superschurken treten auf. Z.B. Mr. Freeze, das ist so ein Typ, der mittels einer Eispistole die Menschen, auf die er schießt, in Sekundenschnelle in Eisblöcke verwandelt. Two-Face, der sich ausgerechnet in die Polizistin Renee Montoya verliebt. Und natürlich der Joker. Die vierbändige Geschichte ‚Soft Targets‘, ist eine der besten Joker Stories, die ich kenne.

Vor allem aber stehen natürlich die Leute von Gotham Central, also die in zwei Schichten arbeitenden Polizisten im Mittelpunkt. Überzeugende Charakterisierungen. U.a. der Kriminalinspektorin Renee Montoya, die nach ihrem Outing als Lesbe sowohl von ihrer Familie als auch von den meisten männlichen Kollegen geächted und gemobbt wird. Und wirklich gut ausgedachte und strukturierte Stories von Brubaker und Rucka, die zu den besten Krimi- und Thrillerautoren der US Comicszene zählen.

Zeichner Michael Lark (der den größten Teil der Artwork beisteuerte) steht deutlich in der Tradition von Alex Raymond (1909 – 1956), des Schöpfers von Flash Gordon in den 1930ern. Das sieht auf den ersten Blick etwas altmodisch aus, trägt jedoch entscheidend zur Noir Atmosphäre der Serie bei.

Und abgesehen davon mag ich den Zeichenstil von Michael Lark mit seinem altmodischen hand-made touch tausend mal lieber als fotorealistische Reproduktionen auf der Basis von Computergraphik – Programmen.

 

Hamburg, März 2016

(Ende von Teil 1. Fortsetzung folgt)

 

 

 

 

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